

Wider dem stummen
Heer der schlaffen Zeiten.
All jene aufgeführten
Autoren sind durchaus radikale Herzen, ausgestattet mit Abc-Waffen, Underground-Verlagen,
betätigen sich z.B. als Herausgeber von Literaturzines,
sind Veranstalter
oder zumindest Kaninchenzüchter!
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Wir suchen weiterhin
Autoren & Innen für die HÄRTER 10 im Jahr 2003.
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Die
Zeiten werden HÄRTER!
Nummer
7
Sissi
Syndrom Sonderausgabe 2000
Hartmuth Malorny
(Dortmund) Michael Schönauer (Asperg) Axel Klingenberg (B'schweig)
Thomas Stemmer
(Bremen) Urs Böke (Essen) Volker Herrmann (Meppen)
Thomas Schweisthal
(Regensburg) Bdolf (Freiburg) Jerk Götterwind (Groß-Gerau)
Jan Off (Braunschweig)
Tuberkel Knuppertz (Aachen) Pille Weibel (Zürich)
Roman Kollar
(Coburg) Raimund Samson (Hamburg) Kersten Flenter (Hannover)
Heiko Reimann
(Ulm) Jokkl (Osnabrück) Maldo:Rohr (Bad Wimpfen)
Wolfgang Korte
(Osnabrück) Hadayatullah Hübsch (F'furt) Daniel Beskos (Marburg)
Christian Sutter
(Bitterfeld) Alexander Scholz (Cottbus) Achim Wagner (Köln)
Charlie Sernold
(Goldbach) Max H! (Darmstadt) Jochen König (Mannheim)
Doc Knox (Bremen)
Andreas Marcinkowski (Rheine) Henning Chadde (Seelze)
Bibi Straube
(MS) Thomas Nöske (Berlin) Stefan Heuer (Burgdorf)
Nummer
6
1999
Manfred Wieninger,
St. Pölten Yussuf M.
Schönauer, Asperg
Heiko Reimann, Ulm
Bernd Mehrtens,
Bremen Karl-Heinz
Schreiber, Goldbach
Urs Böke, Essen
Axel Klingenberg,
Braunschweig
Till Röcke, Bonn
Anne Abelein, Herrenberg
Alexander Pohle,
Darmstadt
Christian Sutter, Bitterfeld
Tanja Herzberg, Gronau
Thomas Schweisthal,
Regensburg Brigitte Breidenbach, Aachen
Frederike Haberkam, Bonn
Johannes Finke,
Freiburg Achim
Wagner, Köln
Ina Zone, Braunschweig
Wolfgang Korte,
Osnabrück Stefan Heuer, Burgdorf
Volly Tanner, Leipzig
Jan Off, Braunschweig
Raimund Samson, Hamburg
Alisha Bionda, Mallora
Matthias Schamp,
Bochum Pille Weibel, Luzern
Bdolf, Freiburg
Jerk Götterwind,
Groß-Gerau Volker Herrmann, Meppen
Steve Sabor, Cottbus
Christian C.
Kruse, Achim Axel Monte, Köln
Stefan Kalbers, Stuttgart
Thomas Stemmer,
Bremen
Henning Chadde, Seelze Bibi Straube,
Münster
Nummer
5 (lebt)
1998/99
Frederike Haberkamp
(Bonn)
Tuberkel Knuppertz (Aachen) Volker Herrmann (Meppen)
Matthias Schamp
(Bochum)
Maja Roedenbeck (Berlin)
Jens Neuling (Rodenbach)
Axel Monte (Köln)
Alisha Bionda (Mallorca)
Alexander Pohle (Darmstadt)
Volly Tanner
(Leipzig)
Urs Böke (Essen)
Maldo:Rohr (Bad Wimpfen)
Alois Sax (Wien)
Thomas Nöske (Berlin)
Werner Kissling (Basel)
Yussuf M. Schönauer
(Asperg)
Brigitte Breidenbach (Aachen) Stefan Zarmann (Leipzig)
Axel Klingenberg
(braun?Schweig!) Wolfgang Korte (Osnabrück)
Achim Wagner (Köln)
Thomas Schweisthal
(Regensburg) Thomas Stemmer (Bremen)
Roman Kollar (Coburg)
Henning Chadde
(Seele)
Ulrich Jösting (Osnabrück)
Jan Off (braun?Schweig!)
Raimund Samson
(Hamburg)
Amin Ayad (Duisburg)
Alexander Scholz (Cottbus)
Daniel Dachtewitz
(Achim)
Jorge Petersen (Braunschweig) Bibi Straube (Münster)
Nummer
4,3,2,1,0
Aktualisierung
in Kürze
Reaktionen aus dem OFF
Reimund Neufeld
Zur
Härter 7 & allgemein
(...) Gut,
es ist ja ne programmatische Nummer, ("Sissy-Syndrom"), aber ich denke
doch, genug repräsentativ für Deine Zeitschrift ( auch im Vergleich
zu H. 6)
Grundsätzlich ist klar, daß es notwendig ist, alternative Literatur zuzulassen, zu fördern, mit den Mitteln, Möglichkeiten und Menschen, die zur Verfügung stehen. Warum Du so hart drauf bestehst KEINEN GEWINN einzuspielen, ist mir (bei aller Achtung) nicht ganz klar. Sind das nur Gesetzesgründe, oder scheust Du einfach die nächst höhere "Größenordnung"?
Gut, aber die Zeitschrift ist gut, sehr gut, sie läßt vieles zu, und macht einen für das "Underground-Genre" einen recht "toleranten Eindruck". Dieser Umstand kommt bei alternative-art.de sogar noch stärker heraus. Will heißen – bei so manchen anderen "Underground-Blättern" wären wohl die einen oder anderen Künstler durchs Raster gefallen, sprich wären gar nicht "auf-genommen" worden – Punkt! Das gefällt mir schon mal.
Was mir persönlich dabei fehlt, wenn ich mir die verschiedenen Autoren so ansehe, und lese WAS sie schreiben, WIE sie schreiben, mich dabei frage WARUM sie schreiben, was für ne Botschaft da rüberkommen soll –, da überfällt mich aber doch das Gefühl, daß mir die "Verschiedenheit", nicht verschieden genug ist. Nun gut, dieser Tatbestand hat mich nicht überrascht. Jedes Genre hat so seine eigenen "Gepflogenheiten" seine eigenen kleinen ungeschriebenen Gesetze des WAS, WIE, WARUM. Um nicht weiter um den Brei zu reden: Ich vermisse bei den meisten "Undergroundies", "Social-Beatnix", "Trash-Literatten" und wie auch immer "bezeichnet" wird, einen Individualismus, der sich frei macht von den "uniformen Äußerlichkeiten", die sich, weiß der Teufel wozu, in den Köpfen dieser vielfach so genialen Künstler, eingeprägt haben. Wozu wird so vielfach in einer "Rotz-Kotz-Sprache" gesprochen, Extremwotschätze dabei wie Exkremente "literarisch ausgeschieden" - ?! – Es würde noch angehen, wenn sich dabei bisweilen auch so etwas wie "Herz" zeigen würde, ein Stück Herz wahrer Menschlichkeit. Es scheint mir in diesen Genres einfach nicht angesagt zu sein –, im Gegenteil, derartige Gefühle werden getreten. Warum immer so von oben herab, rotz-kotz, als wären Gefühle was Peinliches, warum diese betonte Coolness dabei, warum ewig SCHWARZ, oder GRAU ? – Beton, sag ich da!
Ganz ähnlich ist es bei mir angekommen, als ich in den 70ern mit meiner Punk-Band auf der Bühne stand – vor mir ein Völkchen von schwarz-silbern uniformiertem Pogo-Mob – mit der Lebens-Philosophie Endzeitstimmung macht Laune, "gebt uns ein Greuel!" – Und feetbacks bezogen sich oft mehr auf mein "unpunkiges" Outfit, als auf unsere Musik selbst. Und unsereiner verstand Punk als politisches wie künstlerisches Aufbegehren gegen ein borniertes Etablissement – insbesondere gegen UNIFORMIERTHEIT! – Aber dieser Mist schleicht sich überall ein und ist leider immer spezieller geworden. Jedem heut sein Schublädchen – muß ich die alle aufzählen? – nein! Ist mir einfach zuviel geworden. Wohin hat uns das gebracht? Daß z. B. nicht von einer Horde gewalttätiger Arschlöcher, sondern von "Hools" und "Skins" die Rede ist. Ja DAS ist schon was, nicht wahr? DA steigt so mancher doch viel leichter mit ins Boot wenn er dann von sich behaupten darf "ich bin bei den "Hools", ect.
Zurück zur "Gegenwarts-Underground-Literatur-Kultur": ich werbe für mehr Individualität, die mehr "Herz" dabei zuläßt, die tiefe menschliche Gefühle mehr hervorhebt und diese nicht tritt, für weniger Amerika-Kult (etwas runter mit der "Bukowski-Miller-Burroughs-Ginsberg-&-Co-Fahne"), für mehr "Was-zu-sagen-haben", als bloßes Sprach-&-Begriffe-Virtuosentum!
(Der moderne Nihilismus scheint mir nichts weiter zu sein als ein aus stinkender Faulheit und Übersättigung geborener Überdruß der entmenschlicht hat, und noch dazu die verkacktesten Götter anbetet) = mehr als genug Stoff für gute Literatur, mag sie sich nennen wie sie will...!
In diesem Sinne – will hoffen Du hast einigermaßen verstanden, was ich sagen will – vielleicht geht’s Dir ja ähnlich – mein Fehler ist vielleicht daß ich oft zu ausführlich bin, zu viel Worte brauche. Was weiß ich: "take that", für Dich als Literat, als U.-Zeitschrift-Macher, oder wozu auch immer.
Kunst macht schön, und fasziniert, und die Faszination der Schönheit ist ein tiefes, menschliches Gefühl! Aber Kunst macht noch viel mehr als das! Und andere tiefe & menschliche Gefühle gibt’s schließlich auch noch.
In Kürze mehr.
TAZ-Ruhr
vom 19.04.2001
Geschichten
von ganz unten
Unabhängig
vom Treiben der großen Verlage ziehen
Underground-Literatur-Fanzines
in Nordrheinwestfalen ihr eigenes
Ding durch. Die
kopierten Hefte mit den Miniauflagen finden überall
Leser und sind
mehr als nur Liebhaberstücke
von ALEXANDER
TAHL
Vor ein paar Jahren lebte Oliver Schulze noch auf der Straße und
versuchte
sich mit seinem Comic-Fanzine über Wasser zu halten, dass er in Köln
an
Passanten verkaufte. Er produzierte die Hefte von eigener Hand, zeichnete
die Comics, layoutete, kopierte und heftete die Blätter zusammen.
Schulze
nannte sein Heft „Unter Null“, weil es keinen Anspruch gab und keine
Qualitätsvorgaben. Mittlerweile hat der 28jährige wieder eine
Wohnung
gefunden. Er arbeitet als Zimmerer, aber sein Magazin gibt es immer noch.
Wie andere Fanzines bedient Schulze ein lokales Publikum, die Auflage liegt
bei rund 200 Exemplaren. Ausrichtung und Gestaltung der Hefte sind, wie
die
Szene selbst, äußerst heterogen. Es gibt sie für alles
mögliche: Für Musik,
Film, Fußball oder eben Literatur. Alexander Strucken, 20jähriger
Zivi aus
Neuss, veröffentlicht in seinem Fanzine „Vorsicht Schreie“ Geschichten,
„die
aus dem Leben gegriffen sind. Vielleicht mit sozialem Bezug, aber nicht
explizit politisch. Auf jeden Fall kein Germanistenkram“. Das Dortmunder
Heft „Blut im Stuhl, aber zum Arzt geh ich nicht“, tendiert dagegen eher
zu
absurd-grotesker Kurzprosa, die nicht immer realitätsbezogen ist.
Die literarischen Vorbilder der Blattmacher unterscheiden sich sehr. Viele
berufen sich auf Bukowski, Kerouac oder Burroughs, andere sehen ihre
Einflüsse eher im Dada oder Surrealismus. Andreas Dölling, 28jähriger
Web-Programmierer und Macher von „Blut im Stuhl“, nennt Eugen Egner von
der Titanic. Oder Knut Hamsun, „auch wenn den keiner kennt.“
Die Reaktionen auf die Hefte sind vielfältig. Für sein Artzine
„INSIDE“ aus
Neuss, das neben Geschichten auch Comics und Zeichnungen aus aller Welt
abdruckt, hat Jens Diekmann (32, freier Grafiker) von „sehr geil“ bis
„sexistisch“ alles zu hören bekommen. Als er das Heft über einen
professionellen Vertrieb laufen lassen wollte, lehnten seine Kollegen im
Redaktionsrat das ab. Zum einen, weil kein Gewinn zu erwarten sei, zum
anderen weil eine Indizierung befürchtet wurde.
Der Weg zum Fanzine ähnelt sich häufig. Der Kölner Kuno
Liesegang
sammelt im „Schattensplitter“ Lyrik, größtenteils aus dem phantastischen
Bereich. Er hat zunächst angefangen zu schreiben, um dann mit seinem
Fanzine eigene Vorstellungen zu verwirklichen und eigenes Material zu
präsentieren. „Auch wenn man damit nicht reich wird.“
Der 31jährige
Frank Bröker arbeitet als Drogenberater in Rheine und gibt
nebenbei als
Verleger das Magazin „Härter“ in der Domstadt heraus. In
diesem Jahr ist
er über das reine Fanzine-Dasein hinausgegangen und hat
seinen ersten
Roman verlegt: „Vom Anfang bis zum Ende des Regenbogens“
von Alexander
Scholz. In Zukunft soll jedes Jahr ein weiteres Buch folgen.
Trotz vieler
Unterschiede zieht sich ein gemeinsames Motto durch alle
Fanzines der
Underground-Literatur - um es mit der Dortmunder „do!pen“ zu
sagen: „Scheißt
auf die Literaturwissenschaften! Schreibt!“
In Kürze mehr.
Special:
Wir
druckten folgenden Text von Michael Schönauer (Asperg):
Killroy starring in „Samson der Salonlöwe“
Killroy ließ
sich zu dem Satz hinreißen: „Jessas, sie hat ‘nen Arsch wie ‘ne politische
Landfrau.“
Aber Killroys
hanseatischer Freund sagte: “Mein Arsch ist ein Truppenübungsplatz“,
und dann setzte er im Tonfall etwas trauriger hinzu, „aber ohne feindliche
Übernahme.“
Neben Samsons Fischerkate wohnte die Nachbarin. Ihren Geburtstag feierte sie nicht mehr. Geboren in Masuren. Heute wäre sie 77 Jahre alt, sofern man all ihrer Erlebnisse und Schoten, die sie bisher zum Besten gab, Glauben schenkte. Im Sommer ernährte sie sich von zitronierten Gurkenscheiben in Schmand. In allerlei Plastikbehältnissen portioniert lagerten sie im Kühlschrank Wenn Samson seine Tür aufsperrte, wartete Rita schon öfters mal mit einem Löffelchen...oder ein fett zu nennnender schwarzer Kater sauste ihm entgegen, wenn das Biest nicht schnurrend auf ihrem Schoß saß und sie die Beine, im Schatten sitzend, in die Sonne streckte. Was für ein gemütlicher Anblick, wie Oma selbstverloren ihre Wadenwickel anlegte: Essigsaure Tonerde.
1936 war sie im
Sommerlager der BdM.
Ritas Gebiß
lag auf dem Beistelltischchen der Terrasse.
Angetrockneter
Schmand klebte um ihre Mundwinkel und mit halbgeschlossenen, zuckenden
Augenlidern erzählte und schnurrte sie ungefragt.
In Samson hatte
sie einen gutmütigen Zuhörer. Erwartete auch er ein bereitwilliges
Publikum. Samson hat einen dicken Bauch und ist mit der Bauchrednerpuppe
Raimunde quasi verheiratet. Zwei Jahrzehnte waren sie durch die Lande gereist.
Mit einem umgebauten taubengrauen Bedford. Der Blitz war Bühne, Puppenwerkstatt
und Zuhause. Es roch im Wageninneren immer etwas unangenehm nach Schweiß
und vergorener Milch, die war ihm einmal beim Puddingkochen umgekippt und
dann vergessen beim Auswischen in den Velours eingetrocknet. Samson liebte
seinen Pudding fast so sehr wie Raimunde.
Er roch leider
immer etwas nach Schweiß und Samson hatte meistens das ungewaschene
Kopfhaar unter seiner Kapitänsmütze verborgen.
Also der Samson
roch und Oma brabbelte vor sich hin , bis daraus ein leiser Singsang wurde,
dem zu lauschen allemal besser beizukommen war als den penetrierenden,
menschlichen Ausdünstungen.
„Gelbwogende Weizenfelder,
so weit das Auge reichte. Unkraut auf dem Rübenacker jäten und
bis wir zurück in die Zeltstadt marschierten, stieg der Abend auf.
Dann rief ein Trommelwirbel zum Essenfassen und wir mußten in Reih‘
und Glied aufgestellt das Lied singen: Heil dir Gau und Erde...“
Ich erwachte
auf dem Pritschenlager und wie am Morgen davor waren die Aufseherinnen
schon bei der Morgentoilette. Die ältere rasierte mit einem Messer
die Haare von den Waden,. Das Messer und den Seifenpinsel wusch sie in
ihrer Frühstückstasse. Dann flocht sie der jüngeren ihr
langes, kastanienbraunes Kopfhaar zu zwei Zöpfen und band diese nach
oben, so daß die Haarschlaufen wie zwei Schaukeln über die Ohren
hingen. Sie hieß Waltraud und rief uns Mädel. Sie hatte Narben
in ihrem Gesicht, die von Schweinspocken zurückgelieben waren, und
sie hatte eine heftige Periode. Die Blutung machte sie ganz fertig und
Waltraud roch dann schlecht. Alle Mädels mußten sich zum Appell
aufstellen. Mit dem Rücken zur Reichsfahne und in 2er-Reihen mit all
den anderen Mädchen und Erntehelferinnen ihrer Altersgruppen. Wir
waren meistens im Freien und rochen nach Erde und Schweiß. Die Oberin,
redeten wir über unsere Aufseherin Frau Speer, war ein Biest, hatte
aber gewaltige Brüste. Die hatte bestimmt schon ein entjungfertes
Geschlecht, tuschelten wir. Ihr strenges Regiment stand ja ganz im Gegensatz
zu diesen Rieseneutern. Irgendwie beobachtete ich das morgendliche Duett
der zwei Aufseherinnen mit Scham. Denn das war doch intim, diese Toilette.
Ihr wogender Busen hielt sich unter der gestärkten Aufseherinnenbluse
mit den blauen Puffärmelchen kaum im Zaum. Wie die Ältere um
die Jüngere tanzte. Das Zupfen und Binden wollte gar kein Ende nehmen
und ihr Oberleib bog sich über den sitzenden Körper und die Milchglocken
hingen lustvoll vor dem Gesicht dieser pockennarbigen Zauche und ihr stand
die Erregung in den Drüsen, denn ihre Augen blitzten italienisch.
Und wir übten
Gymnastik mit Reifen und Bändern. Leider keine Burschen anwesend,
die waren ja HJ. Zum Teufel, dieser Haufen Mädels da draußen.
Schwitzend, im frühen Morgen auf dem Rittergut. Die körperliche
Ertüchtigung trieb uns die Nachtflausen aus dem Kopf. Denn die Gruppenleiterinnen
waren gestrenge Erzieherinnen. Die hatten einen immer in den Augen, auch
beim Völkerball in den Mittagsfreistunden, oder wenn sie uns zum Weiher
begleiteten.
Ich flüsterte
Elisabeth ein Geheimnis über die Oberin zu. Wir schwammen hinter den
Schilfgürtel und ich faßte ihr zwischen die Beine. Elisabeth
gluckste, daß ich ihr die Hand auf ihren unverdorbenen Mund drücken
mußte. Sie verstand. Ihre Hand grabschte nach meinen Brüsten
und wir entwickelten Spiele, bei denen wir uns neckend an die Scham gingen.
Ich glaubte, ein Paradies ging auf. Nach der Erntezeit wurden wir in unsere
Familien zurückgeschickt.
Die Russen kamen
übers Land. Die Bomben in die Stadt. “Ich glaube Polen gibt es schon
lange nicht mehr, „seufzte Oma.
Die Rita verbreitete
ein blauäugiges Nazipathos, daß es den Samson im Gehänge
juckte.
Nach so‘ner Geschichte
ging Samson in den rückwärtigen, ans Häuschen grenzenden
Schuppen. Das Gebälk krachte bis unters Dach, wenn er die Tür
schloß. Er langte in den Hosenbund und rubbelte seinen Schwanz wie
blöd. Im Geiste defilierten ganze Heerscharen graziler Mädchen
in gestärkten weißen Arbeitsblusen, die sich über ihre
mädchenhaften Brüste spannten. Dabei stopfte er sich Weißbrot
in den Mund und kaute und speichelte es wieder aus in das Decolleté
seiner Fantasie-Oberin. Er bekleckerte sie und sich ganz und in de erreichten
sexuellen Wallung stellte er sich auch Verkehr mit Rita vor. Dazwischen
fraß er Unmengen, was immer er zuhand bekam, Fleischsaucen, Waffeln,
Pariserbrote, Bananen...er band ihren alten Leib zu straffen Portionen
und hing sie an den Fischerhaken in der Räucherkammer. Sein breiiges
Gesicht rieb sich an ihrer runzeligen Haut und brachte sie in Schüben
zum Schaukeln. Er überdeckte den in Knoten und Schlingen geknebelten
Leib mit Küssen und er füllte seine Zunge in ihren zahnlosen
Mund.
Mit einem Messer
stieß er einen Schlitz oberhalb des Dosenbodens, an den er unmittelbar
danach seine Lippen stülpte uns jetzt zog er den Verschlußring
auf. Das Bier schoß ins Maul. Schaum troff ihm nach so‘nem Ex &
Hopp übers Kinn. Er furzte, rülpste und wollte mehr... und in
Gedanken schlüpfte er in die lederne Uniform eines Nazischergen.
FIN.
Der
ebenfalls im Heft vertretene Hamburger Autor Raimund Samson,
der
sich mit dieser Geschichte gleichsetzte (was uns zu keiner Zeit bewußt
sein konnte), schickte daraufhin folgenden Beitrag, den wir zwar nicht
in Härter 9 abdruckten, hier aber als ALO-Script bereit halten
Schönes
Wetter für Schönauer
(dedicated to Beate Uhse, 1919-2001)
Vor zwei Jahren
gab ich die Anthologie „Thema: Therapie“ heraus. Leider wusste ich da nichts
von M. Schönauers Problem. Sonst hätte ich ihn persönlich
eingeladen, sich an der Texte-Sammlung zu beteiligen. Vor anderthalb Jahren
versuchte der Mann schon einmal, einen Artikel gegen mich zu lancieren,
nämlich bei SUBH. A. Reiffer lehnte jedoch ab. Nun also ist M.S. untergekommen
in härter # 8 mit „Samson der Salonlöwe“. Der Autor hat sich,
von der ersten bis zur letzten Zeile, Mühe gegeben, mich der Lächerlichkeit
preiszugeben. Dies soll nicht unerwidert bleiben.
Was hat der Mann
bloß gegen mich?
Vor ca. fünf
Jahre schickte mir M.S. einen, vorsichtig ausgedrückt, freundlichen
Brief über herzGalopp und die mehr als 70-jährige Dichterin Helga
Goetze und legte das Lang-Poem „porNO 4pyros“ bei. Ich entsprach dem Wunsch
nach Abdruck nicht, weil es mir zu billig schien, wie ein Autor auf einer
(literarischen) Masche des HipHop reitet. Statt dessen unter-stützte
ich M.S. auf andere Weise, u.a. durch Sendung eines Interviews in Radio
Brisanz. Später publizierte subh eine äußerst wohlwollende
Rezi über ein im killroy-Verlag erschienenes Buch. Ich vergaß
leider den Namen des Mit-Hrsg. zu erwähnen. Seither scheint M.Schönauer
mich abgrundtief zu hassen.
Ich verstehe
nicht, aus welchem Grund.
Niemand darf mich beleidigen, meinen Bauch oder mein Puppentheater in ein schiefes Licht bringen. Erst recht darf mir niemand beim Onanieren zusehen und meine schlimmen Gedanken und Fantasien erraten. Aber: Ich mache ab heute eine Ausnahme: Michael Schönauer. Der Mann steht unter so einem gewaltigen Druck, daß ich mich zur Verfügung stelle, als Medium, damit der Mann seinen Haß etwas mindern kann. Natürlich unter Kontrolle durch Öffentlichkeit. Er leidet unter so starkem Ekel und Aggressionen, daß er dringend ein Ventil benötigt, um nicht zu ersticken. Ich habe damit eigentlich nichts zu tun, aber: indem ich mich als Medium zur Verfügung stelle, kann ich ihm vielleicht helfen.
Stellvertretend für Personen, die ihm tatsächlich Böses taten, soll er seine Aggressionen auf mich lenken. Und dann in einem Bewußtwerdungs-Prozeß auf jene Ereignisse und Personen kommen, die ihn tatsächlich verletzten. Durch jahrelange Arbeit in der Psychiatrie und Be-kanntschaft mit Menschen, die an Übertragungs-Symptomen leiden, verfüge ich über eine ge-wisse Kompetenz, um mit Herrn S. Problem umzugehen. Natürlich gibt es keine Heilungs-Garantie...
Bei einem anderen Problem kann ich Herrn S. nicht helfen. Er äußert sich voller Ekel über eine ältere Frau. Was dahinter steckt, kann ich nur vermuten. Aus Erfahrung weiß ich, daß ältere Damen liebenswerte Geschöpfe voller Würde sind. Wieso Herr S. sie als häßliche, debile Wesen darstellt, ist mir ein Rätsel. Vor kurzem starb Beate Uhse. Wofür andere sich abstrampeln und verkrampfen, das schaffte sie wie nebenher. In einem TV-Interview aus den 70-ern erzählte sie, daß sie über 3000 (!) Anzeigen wegen Pornografie etc bekam. Und dann stellte sie ein fragiles, ca. 20 cm großes Gerät aus Plastik auf den Tisch, das, wie sie erklärte, ein „Trockner für gebrauchte Kondome“ war. Da musste ich an M. Schönauer denken. Irgendwie kommt mir, was er so zum Besten gibt, sei es bei Aktionen oder auch unter dem Etikett „Literatur“, als abgegriffen und verbraucht vor.
Sollte M.S. meinen Vorschlag einer Abreaktions-Therapie mit anschließender Analyse ablehnen, rate ich ihm, nach Mallorca zu Ballermann 6 (sex) zu reisen. Dort ist meist schönes Wet-ter und S. kann täglich seinen knackigen Körper präsentieren. Dort ist es –anders als bei dem lästig kritischen Publikum hier- auch no problem, Aktionen zu machen, wo (wie in Hangover 96) weder die technischen Geräte funktionieren noch irgendjemand versteht, worum es überhaupt geht. Auf Ballermann erklärt der Aktionist einfach, es handele sich um „Kunst“ – und schon hat er alle Leute auf seiner Seite. Man muß nur clever sein. Er kann dort auch Dinge machen, die er selber nicht kapiert. Egal! Er kann irgendwas ins Mikro brüllen oder lallen und es als „social beat“ ausgeben. Der Erfolg ist ihm sicher. Er wird bestimmt Fans finden. Und süße girls, die ihn für seinen BODY bewundern und auf seinen Waschbrettbauch abfahren. Vielleicht machen sie sogar Musik darauf. Comprende?
Resümee:
„Samson der Salonlöwe“ ist, was die Dramaturgie anbelangt, nicht mal
sooooooo schlecht. Na, jeder schreibt halt am besten über das, was
er selber am besten kennt. Nur eines ist hochnotpeinlich: Daß der
Autor den Nazi-Trumpf aus dem Ärmel zieht (bzw. aus der Achselhöhle
oder Kniekehle – der Mann tritt ja, wie angedeutet, mit Vorliebe unbekleidet
auf). Jeder Dummkopf, dessen politische Kompetenz darin besteht, mit einiger
Mühe CDU und SPD oder meinetwegen g-r-ü-h-ü-n zu buchstabieren,
zieht in letzter Zeit diese political correctness-Karte. Soll ich mich
ärgern? Seit sogar Josef Beuys in die Nazi- und Antisemiten-Ecke gepackt
wird (siehe direkte aktion # 145) befinde ich mich nicht in der schlechtesten
Gesellschaft. Oder?
„Nazi-Scherge“?
Naja. Wird wohl Zeit, daß ich mich umbenenne in Serge. (hahaha, kleines
Wortspiel) (:durch Geometrisierung der Sprache lassen sich spielend Verschiebungen
erreichen. Compr...?)
** ich schlage
vor, daß härter ab der # 9 einen Kummerkasten einrichtet. Ich
denke, dies dürfte gerade für die sogenannte „Außerliterarische
Opposition“ interessant sein.
Ich habe ein
Widmungs-Gedicht verfasst, das so geht:
Hast Du Sorgen
/ ach, spuck sie aus! / Denk auch an Morgen / - laß alles raus ...
yours Raimund
Samson
Nachdem nun Raimund Samson feststellte, dass dieser Beitrag auf den Beitrag von Schönauer hin keine Berücksichtigung in Härter 9 fand, ließ er uns einen Brief zukommen, den wir hier nicht wiedergeben möchten.
Soviel
sei trotzdem verraten:
Es
war kein schönes Pamphlet und kündigte jede Zusammenarbeit auf.
Eigentlich
schade.