

Hallo,
Süßer!
Ich
bin die Härter!
Wie
wär's mit uns?
Es
geht nichts über ein gelungenes Vorwort.
Diese
ersten Zeilen im Heft sollen stets ein Schlag ins Gesicht des Lesers sein,
bzw.
den Eindruck vermitteln:
Nimm
mich mit in Deiner Manteltasche,
ja
lies mich bloß zu Ende!
Und
bei Gelegenheit kannst Du mich sogar abonnieren.
Hier
die Vorworte der ersten Nummern 1 - 7
VORWORT ZUR NUMMER 1 (1996)
DIE ZEITEN WERDEN HÄRTER...
Morgens auf den
Straßen: eine frustrierte Schlammschlacht technik- und medienversauter
Typen und Typinnen. Die brennen wahrlich drauf, das Bruttosozialprodukt
anzukurbeln mit ihren Millionen automatisch ablaufenden Schockbewegungen.
Die gieren nach Veränderung - die freuen sich richtig, wenn plötzlich
und unerwartet das Autotapedeck den Geist aufgibt.
Ein wenig Abwechslung
nach Feierabend : "Schatz, ich geh' mal 'runter in die Garage, da stimmt
was mit dem Kenwood nicht!"
"Jaha. Komm nicht
zu spät zur Sportschau!"
Keiner holt mehr
Zigaretten. Oder Kaffee. Keiner haut mehr ab, ohne vorher Bescheid zu geben.
Zur selben Zeit
dümpeln alte, gesichtslose Frauen von 30 Jahren im Traumhaus Villa
Wabenhausen über dem Gestank der Kinderwindeln und behaupten nachhaltig,
hier den Geruch der großen, weiten Welt zu vernehmen ! Alles versaut
und alles verbaut. DIE ZEITEN WERDEN HÄRTER... und Macht, Medien,
Murdoch, Müllabfuhr (um nur den Buchstaben "M" wie Mittelfinger anzureißen)
schütten wohldosiert das in Wasserleitungen und auf den Klebeseiten
der Briefmarken eh schon verhandene Egal-Deo aus. Der einsame Sesselfurzer
langt sich genüßlich an den Schwanz, läßt die (TV
Familie) Kirch' im Dorf , während grelle Bertelsmänner die Paketglocke
ziehen.
Es wird dunkel
-
und danach nicht
wie gewohnt hell, sondern grell.
Die Städte
platzen. Ihr Slogan lautet: Kauft euch pleite.
Die Städte
platzen wie Brandblasen. Aufnahmerituale, Formulare: hier werden jene herangezüchtet,
die das Tiefgaragenangebot auch gefälligst wahrzunehmen haben.
"Wohin mit den
Slums, Herr Planer?"
"Wohin mit den
gescheiterten Existenzen?"
Frisch aus den
Kühlregalen tropft die fette Bequemlichkeit eines jeden Grünen-Politikers.
1968, das Jahr der Sünde, das Jahr der Triebe, das Jahr der Talarenmiefer.
Aus den Radios
dudelt die ewige Ariola-Virgin-Warner-BMG-EMI-Scheiße;
die fressen jeden,
machen aus allen Wellenritten die schnelle Mark.
Sie verwursteten
den Punkrock zu einer kümmerlichen Daseinsberechtigung. Nennt mir
5 Punkbands der 90er, die NICHT die MTVIVA-Leiter hochstolpern wollen!
Zählt die Kappenträger jeden Tag, in ihren Dackelhosen. Auch
Tekkno ist längst verwurstet worden; die sogenannte Love-Parade zum
Beispiel.
Diese hirnausgeschaltete
Masse würde sogar den nächsten Castor hippelnd und
brüsteschwingend
ins Endlager begleiten. Wenn nur die Beats/minute stimmen!
"Boh, geile Party,
Alter, ey, wa??"
Werbeblöcke
unterbrechen die staunenden Sabbermünder zu hause an den Bildschirmen;
die Nachahmer der WeltUnVerbesserer schauen sich lieber Mainzerstraße-der
Film an, als selbst auch nur im entferntesten daran zu denken, mal selbst
den Miethaien zu zeigen, was 'ne Harke ist! Revolution mit Alibi.("Heute
geht nicht. Muß für Jura pauken...was die Bullen stehen bei
euch vorm Haus? Na, wenn morgen nicht diese Klausur wäre...") Gemeinsame
Forderungen lassen sich kaum noch auf einen Nenner bringen.Die einzig klare
Sache besteht darin, nicht im Stehen zu pissen. Political correctness ist
in, Laberei ist in, sich hassen und sich bekriegen ist in.Den Schinken
vom Küchentisch zu beten, den Pulsschlag beschleunigen bei´TV-Talkgästen,
die vehement behaupten, in Doitschland würde auch nur ein Funke Asylrecht
noch bestehen...
Kantherknabenchor,
ein Wort, das ich immer wieder gerne verwende, spiel uns das Lied vom Tod.
DIE ZEITEN WERDEN
HÄRTER...
Hühner,
legt, was das Zeug hält. Der Kanzler der Einheit kommt in die Stadt.
DIE ZEITEN WERDEN
HÄRTER...
Unsere stumpfe
Moral läßt keine Küsse mehr zu. Die gemietete, geleaste
Freundin macht sonst Schadensersatz geltend.
DIE ZEITEN WERDEN
HÄRTER...
Verweigert dem
Staat die Kleinfamilie.
Ihr werdet sonst
selbst Staat und wollt regieren, unterdrücken, foltern, morden, Steuern
eintreiben.
DIE ZEITEN WERDEN
HÄRTER...
Es gibt keine
selbstversicherte Zukunft und eure Plastikkarten sind irgendwann einen
Dreck wert.
DIE ZEITEN WERDEN
HÄRTER...
und die Bombe
tickt doch immer. Neben dem Körper, über dem Körper, im
Körper.
Wo sie letztendlich
hochgeht, ist egal.
DIE ZEITEN WERDEN
HÄRTER...
und doch geht
alles weiter.
Viel Freude bei
der HÄRTER-1-Nummer-nach-der-0-Nummer.
Thanx allen Autoren
und Autorinnen, Andreas von der SUBH für freundliche Layouthilfe;
danke auch für die ständige Bierholerei, für mittlerweile
3 Pichelsteinabende in Cottbus
(muggefug - macht
weiter!).
Härter...erscheint
2 Mal pro Jahr in einer 150er-200er Auflage, kostet 5 DM incl. Porto.
Her mit Eurer
Kunst ! Schreibt an den Schreibtisch Größenwahn.
frank bröker,
soltendiek und münster im wonnemonat september 1996
Harte
Worte - zarte Taten -
Auch
im Vorwort zur HÄRTER 2
drosch
der Herausgeber ordentlich ins Korn
"Nur
der Dilettant ist der exemplarische Realist ..."
(Allen
Ginsberg)
Welcome on board
- es härtert mal wieder im Lande.
Die Selbstgespräche
werden immer perfekter. Zuhause seh' ich grüne Pilze aus den Kaffeesätzen
sprießen - doch was ist das noch, Zuhause? Ich habe und ich will
das nicht.
Die Realität
ist ein Erreichbarsein, ist ein Briefkasten und ein Telefon, ist Kommunikation
zwischen Dir und mir. Und wo Du gerade da bist: hol mir Bier und Pizza
aus dem Supermarkt; ich kann das Elend einfach nicht mit ansehen - will
diesem Gleichmutstrott gar nicht entgegenwetzen mit leeren Jutesäcken
und ungeweinten Tränen, mit Flaschen für den Altglascontainer.
Wir
entleeren uns täglich immer mehr, stehen Schlange, und sind stolz
auf unseren Müll in den sauberen Händen. Wir werden immer kleiner
... (und freuen uns auf Futter für die Augen, Futter für das
Hirn).
Unser Seelsorgeapparat
ist gedopt, die Freiheit ist gelogen, Volksvertreter werden angebetet;
wer keine Uniform
hat, bügelt sich aalig anders durchs Leben.
Meine Augen sind
mir zu schade für Neonreklame, für Quellekataloge, für geistige
Rentner, die mit ihren 25 Jahren bei Hennes und Mauritz Schlange stehen
müssen. Die Stadt der Schleimbeutel verdient Vergessenheit und Kneipen,
welche um halb 1 abends schließen müssen, damit die Blechlawine
um jeden Preis am nächsten Morgen ausgeruht Richtung Tretmühle
knattern kann.
Reanimiert Euch
zu Monstern, bildet Euch mit Zahlen und Wörtern, habt Angst vorm schwarzen
Mann, bleibt weiterhin Endverbraucher, schlagt euch den Wanst voll, und
glaubt dem Wirtschaftsminister mehr als ihr ertragen könnt.
Die Abschreckung
trägt Früchte; die unter den Brücken sollen es doch nun
wirklich nicht sein?
Verlauste Menschen
mit Schnapspullen - vom Leben verachtet und wie weit ist es denn bis hierher??
Ein einziges Mal einfach nur NACHDENKEN über den ganzen Wahnsinn namens
Zivilisation. Und NICHT MEHR MIT MACHEN können, wollen.
Während
die grünen Pilze weiter wachsen,
die Miete fällig
wird,
die Bank den
Dispo kickt,
deine Freundin
Dich ins offene Messer rennen läßt.
Das Chaos findet
hier und heute statt, tief in uns.
So viele Drogen
können wir gar nicht fressen, um das zu übersehen.
frank bröker; Frühling 1997
Manche
Dinge kann man nur mit Alkohol ertragen
(oder: Warum
alle plötzlich nur noch HÄRTER saufen)
In
welcher Krise der Herausgeber im Winter 1997
steckte,
weiß nur noch der Wind.
Oder
zumindest Bob Dylan.
Die Zeiten werden
kälter, Baby. Kippen wir das Fenster zurück, drehen die Heizung
auf und kucken den ganzen Tag ONYX im TV. Oder Grinsetante Bärbel
auf RTL ... mein Mann steht auf grünen Spinat, hat einen Gartenzwergfetisch
und onaniert heimlich ins Abendbrot... Was? Ihrer auch? Meiner ist da viel
zu introvertiert! Was stimmt an diesem Dialog nicht? Richtig. Das Fremdwort
wäre nie tiefer ins Bodenlose gesunken als das Niveau der Sendung.
Es fällt einem manchmal sehr schwer zu glauben, daß es diese
Idioten namens Talkgäste überhaupt gibt. Und was, wenn so ein
bekloppter Haufen Normalos mit Speerspitzen voll Dummheit bewaffnet eines
Tages vor meiner Tür steht? Bärbel Schäfer - zu blond um
wahr zu sein oder nur gut getarnte Schlauheit ? Respekt ! Abends geht's
auf Schleichfahrt in die Eckkneipe: Im dicken Mantel um die Häuser;
Kopf und Kap voller Hoffnung, daß irgendwer in dieser wohl durchdachten
Gegend mir doch noch den Verstand rauben kann. Worte können einsam
machen. Sätze selbstgesprochen - sie klatschen von den Tapeten direkt
wieder zurück ins Maul. Erdbebenrisse an Körperwänden. Von
mir aus:Yin und Yang, Pol und Pott, Minus und Plus.
Wer stillsteht,
rostet und wer läuft, der bricht sich die Beine. Will sagen: Was man
auch macht, es ist falsch. Denn überhaupt: Leben soll bestehen aus:
AUFSTEHEN, ANZIEHEN, WEGSEHEN.
Zwar kann man
hier unbehelligt seine saure Kohle gegen Freizeitlook austauschen, doch
um das Flußbett von unten zu sehen, bedarf es etwas mehr als als
nur Verstand. Tauchen will gelernt sein;
Gefahr in Verzug
- und schon wirst du weggehauen, armer Schachbauer.
Sie spielen uns
jeden Tag Politik vor; dieses furchtbare Mafia-Spiel aus Adler = schwarz,
Volk = weiß und von rechts nach links, von ganz oben bis in den verstaubten
Aktenkeller traben die EuroZombies im Takt. Hier unten liegen Leichen unter
Goldbarren vergraben, und wenn dies auch nur sinnbildlich gemeint ist:
der liebe Gott wird's richten, Alter.
Und schon sehe
ich mitten im Winter von meinem Kneipenfenster aus:
Gestalten in
Fell und Socken bauen sich eine Illusion namens Arche Noah 1998.
Mit Kabelanschluß,
BertelKirchDecoder, Computerbanking, Internetvideodrom,
Weihnachtsteller
voller Handys. Stahlpuppen liegen auf weichen Kojen für
die harten Schwänze
der Messerschnittburschen herum. Eine ganz neue Entwicklung
aus dem Hause
Beate Uhse: Auf Knopfdruck kann man sie zum Weinen bringen.
Manche Dinge lassen
sich nur mit Alkohol ertragen.
Drei Whisky später
traben die ersten Elefanten, Zebras und Milchkühe in Richtung Arche.
Nashörner
und Trampeltiere folgen. Eine weiße Taube hinterläßt einen
großen, weißen Schiß mitten im Cyberspace.
"Let's go, Boys!",
brüllt das junge Juraschwein, doch das Einzige, was wirklich losgeht,
ist eine Diskussion
über die Lyrik und Prosa als solche.
Zwei Tische neben
mir. Ich stürze den Drink, zieh mir den Mantel an, zahle.
Man blickt mir
nicht nach und das ist gut so.
Zuhause werde
ich mit den anderen HÄRTER... saufen, Tür an Tür, und wir
werden kein Wort miteinander sprechen.
Solange, bis
diese kalte Zeit vorbei ist.
Träume
erfrieren, wenn niemand da ist, der sie träumen will ....
(Rio Reiser ...Träume...
LP "Himmel und Hölle" 1995)
Was sollen all
die Vor-Worte in den Zines?
Dieses allgemeine:
GUTEN TAG HIER SIND WIR WIEDER !
Oder: HER MIT
EUREM ABO, SONST GIBT'S DIESE ZEITUNG BALD NICHT MEHR...jammer, jammer.
Warum nicht gleich
Vollgas in die härteren Zeiten. Quatschen wir nicht um den Brei herum,
fressen wir ihn, so heiß wie jetzt wird er nie wieder werden.
Na denn mal schwerverdaulichen
und guten Appetit !
frank bröker, Ende 1997
Mit der Nummer 4 erholte sich der Herausgeber wie ein Fisch vom vielen Schwimmen ausgerechnet an Land...
Die Straßen waren voll davon und niemand ahnte, was Papier alles bewirken kann. Trommelsprache ist Rhythmus...immer schon gewesen. Niemand hat Plakate je kleben sehen. Niemand war auf den Straßen. Menschen in Ekstase - Guten Tag!
Die Nummer 4 ist da, vielleicht ein neues Parlament; Gesichter sind austauschbar. Unsere kleine Welt wird nicht größer, wird nicht reicher, wird nicht besser. Nutella auf allen Brötchen, auf Trott folgt stets Trottel, Entenhausen ist untergegangen. Die Atomlobby knipst das Licht heller, wer was auf sich hält, labert Phrasen und dummdreist wollen wir sein, den Feierabend herbeisehnen, belohnt werden fürs Klappe halten. Sie werden es schon richten und wir die Suppe löffeln. Bis wir kotzen. Bis wir sterben. Nachdem behütete Generationen unsere Plätze vor den Bildschirmen eingenommen haben. Traditionen werden gepflegt, der Wald beschnitten, das Wild erlegt, das Auto muß glänzen. Fortschritt bei Tempo 2000, der Impotenz eine Viagra, den Non-Konformen die Grenze zeigen und die verläuft längst nicht mehr nach Plan. In Sachsen-Anhalt fast 30% Schwachmaten und 14jährige wurden 40 Jahre lang belogen und betrogen. In Bayern liegt die Wiedergeburt Deutschlands jedes Jahr in der Krippe: Klein, weiß, blond. Die Mutter heißt Maria, der Vater Josef und das Trümmerkind scheint frisch aus Pommern geflohen. Es ist nicht alles schlimm hier. Es wird nur jeden Tag unerträglicher. Eines Tages brauche ich eine Waffe. Nicht, um Hab und Gut, was ich nicht hab´ (und gut) zu verteidigen, sondern um wenigstens im richtigen Moment den neuen Führer umzubringen. Zigarrenkistenwelten sind nicht meine - sagen wir´s ähnlich wie Wiglaf Droste: Gliedern wir Kanther, Rühe und Co wieder in die Nahrungskette ein...das wär´ doch nahezu fein. Schickt Texte, Zeichnungen, Rezensionsexemplare, bestellt die Härter für DM 5, macht Lesungen/ Konzerte vor Ort mit Härter-Autoren-punkpunkpunk: ich mach' es auch, und es hat mir bisher nicht geschadet. Lüftet die Textschubladen, scheißt auf Verlagsrattenfänger, die Eure Manuskripte eh wieder zurückschicken (bei ausreichend Rückporto), verzweifelt nicht!
Eine gute Flasche Whisky ist immer noch besser als ein Selbstmord auf Raten, und Arbeit macht die Bank so frei wie Ikarus es nie war. in der nächsten Härter will ich Euch sehen. Danke an die werten Menschen, die Härter unterstützen. Ohne Euch kein Überleben. Es ist August, doch das zählt nicht. Zeit ist sinnlos, ist eine Bombe, die losgeht, wenn wir nicht mehr erwachen. Wieviel Hirn liegt auf Eis? Vielleicht brauchen wir einen neuen Kant, um all´ die Dinge um uns herum wieder zu verstehen. Vita! Leben, nur leben, schweben durch Dunst und Rauch. Lange Nächte und volle Gläser. Paris in den 30ern zum Beispiel: Miller, Hemingway, Nin, Durrell und all' die Anderen...
frank bröker im august 1998
Die
Kanonen krachen wieder!
Härter
5 - der Herausgeber schwelgt in komischen Visionen
Wieso Kanonen?
Warum nicht Bomben? Ist nicht genügend Literatur im Revolverlauf der
Republik? Müssen Social Beat - Zeitungen Krieg oder Frieden erklären?
Sind wir nicht alle nur verbotene Buchstaben mit Namen und Nummern? Handeln
wir noch mit Fragezeichen, wir Scharlatane, Hängebauchschweine,
wir Reisende auf Zeit, wir postvermodemte Wunderkinder, wir Teil der verkorksten
Zukunft Deutschlands, wir größenwahnsinnigen, zu tiefst untergründigen
Literaten auf Zeit? Leben wir nicht verdammt sicher vor den Schreibtischen,
mit unseren Kippen im Maul, den Gläsern davor, den angespitzten Bleistiften?
Von Flensburg über Cottbus bis Aachen nach München und zurück?
(Aus Oberammergau hat mir noch niemand eine Postkarte geschickt.) Oh, wir
brauchen Flugbenzin, wir triefend nassen Schreiber, wir tiefen Denker auf
Tauchfahrt! Schluß mit der Fragerei. Hier die Antwort. Gültig
bis zum letzten Niemandstag: Die harten Zeiten kommen noch - hier Schreibtisch
Größenwahn, Münster DC. Habe ich mich dazu durchgerungen,
die Härter zu erstellen, müssen folgende Bedingungen wie helle
Grale am Erphostraßenhimmel leuchten. Erstens: Die Auflage der letzten
Nummer hat mindestens zur Hälfte die Kartons ertragreich verlassen,
was nur die Portokosten der nächsten Nummer deckt. Bei 200 gedruckten
Heften jedesmal eine nicht leichte, aber dennoch lösbare Vorgabe.
Hier wird nicht gejammert und gebettelt. Es wird gehandelt. Dabei könnt
Ihr mittun, indem Ihr, liebe Leser (Innen), liebe Autoren (Innen) neben
dem Unisono - Exemplar einfach ein paar Härter... (billiger) mehr
einkauft. Zbs. um die werte Heimatmischpoke damit zu beglücken
- oder den Blümchenprosisten und Innen zu Hause zu zeigen, was ´ne
Social Beat Harke ist. Ihr werdet mit Euren Beiträgen für die
Nachwelt in ausgesuchten Bibliotheken archiviert! Ihr werdet irgendwann,
wenn Ihr das Zeitliche gesegnet habt, reich und berühmt sein! Die
Vision beginnt mit einem kurzsichtigen Germanistikstudenten, der im Jahr
2060 (so die Apokalypse will) in einem verstaubtes CD-Rom-Archiv der Nationalbibliothek
Leipzig die Sparte Social Beat anklickt. Unter H entdeckt er die Härter;
er findet EUCH, schreibt eine Arbeit darüber, welche die Spiegelbestellerliste
sprengen wird... filmreif - bis zum Showdown! So und nicht anders wird
es kommen! Nächste Bedingung: Schickt mir weiterhin Texte, Zeichnungen,
Collagen - mehr Essays müssen her! Fick- und Saufgeschichten weniger.
Denkt vermehrt ans Rückporto (oder leimt). Der Alkohol- und Zigarettenschmuggel
deckt leider nur das Drucken der nächsten Härter... Weitere Bedingungen
sind nur Geduld zu haben mit einem notorisch pleiten Kleinverleger, gefangen
im SISSI-Syndrom, im Laufrad aus Leben und Party - gewillt, die wohnHAFT
in Münster so gut zu überstehen, wie eben möglich. Härter...
wie eh und je: 2x pro Jahr in der vorliegenden Form incl. Porto 5 DM (EVP:
3.50 DM - Abo über 4 Hefte: 15 DM)
FUCK INTERNET
frank bröker im dezember 1998
Vor
lauter Buchstaben kein Fanzine mehr zu finden!
Härter
am Limit, die Nummer 6 im neuen Gewand
Kalt und konsequent lebt dieses Land weiter, verhaut seine staunenden Bürger mit immer neuen Ungeheuerlichkeiten. Die NEUE MITTE der Sozialökodemokratie zerhackt uns alle in zwei EinzelGesellschaftsTeile: oben jene Sahnehäubchen mit den Mitteln der Macht, schuld am Wetter, wohl gewählt, das scheinbar geringere Übel. Wußte man bei Kohl und Co doch immer, woran man war, so tappt man im Jahr 2000 speckig im Trüben. Während Industrie und Wirtschaft ständig neues Sahnegebäck an die Front schicken, befindet sich Teil zwei der Gesellschaft auf einem krümeligen Tablett, sich selbst (und nicht einmal mehr andere) bedauernd. Es gibt Ausnahmen. Sicherlich. Auf nichts ist eben mehr Verlaß. Doch jammern ist scheiße. Wie geht der Satz: "Bleibe im Land und wehre Dich täglich" aus? Soll zumindest Underground - Literatur beweisen, daß AUSSERLITERARISCHE VERLAGSOPPOSITION machbar ist. Spassfaktor 100%. Eine Sache für jeden. Nehmt dies! Herzlich willkommen in der Härter 6, zweite Ausgabe im Jahr des Herrn 1999.
Die HÄRTER ZWEIFELT an der Demokratie, gedenkt aber nicht, diese abzuschaffen.
Sissi-Syndrom-Sonderausgabe
2000
Das
Experiment, die Nummer 7
Action without satisfaction
Sind Literaten des 21. Jahrhunderts ebenso krank wie ihre hier versammelten Texte? Dichtung in der Klemme zwischen Pop und Anspruch, 'trunkenen Schlafstörungen bei Tage und der Buchstabensuche nach dem inneren Gleichgewicht. Ungekürzt reizen wir die Augen der verehrten Kundschaft mit Selbstschädigungs-Bekämpfungsmitteln. Diese Härter-Nummer wird's Euch allen zeigen. Nie waren wir so wertvoll wie heute! Ein hübsches Nümmerchen wird ans nächste geschoben, so daß vom Tage übrig blieb, was hier der Autor niederschrieb.
Plagt auch Sie das Sissi-Syndrom-Zipperlein?
Folgt Ihren rüden
und handelsüblichen Verstimmungen jenseits der Magengegend stets eine
gemeine Fülle an rastlosen Aktivitäten, schriftstellerischen
Vertüchtigungen, die wiederum nur dazu führen können, daß
ihre ohnehin ausweglose Situation nur den Ansprüchen eines Sissi-Syndroms
gerecht wird? Leiden Sie unter sich selbst mehr als unter anderen menschlichen
Ungeistern? Sind Sie krank vor Ehrgeiz, am Leben weiterhin teilnehmen zu
müssen? Dann werden Sie doch einfach Pop-Literat, Schriftsteller,
Social Beatnik, Lyriker, ProsaDaDaist. Oder mieten Sie sich einen - putzigerweise
"Fanatiker" - genannten Menschen.
Kaiserin Elisabeth
von Österreich/Ungarn hat es vorgemacht! Sissi, resp. Sisi, tanzte
den Depressions-Walzer so lange, bis sie 1898 im Alter von 61 Jahren von
einem dieser Fanatiker in Ungarn ermordet wurde. Das sind bis heute Leute,
welche über sich selbst hinaus wachsen, um einem höheren Ziel
zu huldigen. Die entsprechende Palette ist lang; denken Sie nur mal an
militante, politisch-korrekte Veganer und Innen! Oder an Joschka Fischer!
Oder an Ihren Ferrero-Küßchen-Freundeskreis! An Ihren inneren
Anton aus Tirol...
Wir präsentieren diesmal...
ausgewählte
Sissi-Text der Saison, eröffnen den Reigen mit einer folgenreichen
Langtext-Story, schießen uns dann auf den unerbittlichen Rezensionsteil
ein, folgen weiteren Tastenhastern bis zum bitteren Ende, das offen
und weit erscheint wie ein Song von Leonard Cohen. In diesem Sinne: Bleiben
Sie nicht friedlich, sondern fröhlich. Im Grunde genommen hofft doch
jeder hier auf die nächst höhere Intelligenz, welche den ganzen
Laden Erde ins überirdische Klo kippt und abzieht. Die Zeiten werden
eben Härter. FP1.